Rezension: Der fremde Reiter von Marion Johanning

Der historische Roman „Der fremde Reiter“ von Marion Johanning entführt den Leser ins 12. Jahrhundert und überzeugt durch eine fesselnde Geschichte, sowie seinem bildgewaltigen Schreibstil.

Vissel am Rhein, 1188: Als das Bauernmädchen Lioba einen bewusstlosen jungen Mann im Wald findet, ahnt sie nicht, dass ihr Leben eine entscheidende Wendung nehmen wird. Der Verletzte überlebt, hat aber keinerlei Erinnerung an sein früheres Leben. Thomas, wie er genannt wird, arbeitet von nun an als Tagelöhner auf dem Bauernhof ihrer Eltern. Lioba und er kommen sich näher und spüren eine starke Verbindung, werden aber getrennt, als Thomas zurück zu seiner wahren Identität und Familie findet. Er erfährt, dass er ein Ritter ist, der sich einem Kreuzzug verschrieben hat. Doch Lioba kann den Mann nicht vergessen, der nun ein ganz anderer zu sein scheint. Und auch sie wird von ihrer Vergangenheit eingeholt … (Quelle)

Die Autorin Marion Johannin nimmt uns mit auf eine Reise ins 12. Jahrhundert, nach Vissel am Rhein. Die junge Bauerntochter Lioba hat sich der Heilkunst verschrieben. Als sie eines Tages im Wald Kräuter sammelt, findet sie einen Bewusstlosen und schwer verletzten Mann. Mithilfe des Pfarrers werden die körperlichen Wunden geheilt, doch seine Erinnerungen an den eigenen Namen sowie seiner Vergangenheit, bleiben ihm aufgrund seines Gedächtnisverlustes verborgen. Die Dorfbewohner taufen ihn auf den Namen Thomas und er arbeitet von nun an, als Tagelöhner auf dem Hof von Liobas Eltern. Die beiden verspüren eine sehr starke Verbindung zueinander. Bruchstückhaft kehrt bei Thomas die Erinnerung zurück und die beiden werden getrennt, als er als Ritter erkannt wird. Thomas kehrt in sein altes Leben zurück und begibt sich sofort auf eine beschwerliche Reise, um dem Kaiser auf seinem Kreuzzug zu begleiten. Doch auch Lioba wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Werden sich die Liebenden je wiedersehen?

Der Einstieg in das Buch fiel mir dank des angenehmen und flüssigen Schreibstils der Autorin sehr leicht. Äußerst bildgewaltig und detailliert, erzählt Marion Johanning die beeindruckende Geschichte von Lioba und Thomas. Die komplexe Handlung aus längst vergangenen Tagen gestaltet sich sehr mitreißend und spannend. Der Autorin gelingt es wunderbar, den Leser in die damalige Zeit eintauchen zu lassen und Bilder im Kopf hervorzurufen, welche in mir zeitweilig das Gefühl entfachten, einen Film zu schauen, anstatt zu lesen.

Die Handlung wird aus zwei Sichtweisen erzählt. Zum einen verfolgt der Leser die Ereignisse und Wendungen rund um Lioba und zum anderen werden die Erlebnisse aus der Perspektive von Thomas geschildert. Zusätzlich werden Themen mit eingeflochten, die in der damaligen Zeit höchst aktuell und brisant erschienen. Somit werden wir mit dem Aberglauben der Menschen, der Hexenverfolgung, dem Einfluss der Kirche, aber auch der gefährlichen Reise des dritten Kreuzzugs nach Jerusalem, einhergehend mit all seiner Grausamkeit, konfrontiert. Zu dem übernehmen Neid, Missgunst und auch die Liebe eine wesentliche Rolle. Marion Johanning hat hierbei ein wundervolles Gleichgewicht zwischen emotionalen Momenten sowie Brutalität erschaffen, welche eine akribische Recherche der Autorin voraussetzt.

Die Charaktere sind äußerst authentisch und lebendig dargestellt, dass es mir sehr gut gelang, mich in diese hineinzuversetzen. Ich habe mit Lioba gebangt, gehofft und gelitten. Sie hat beizeiten ihre Mutter verloren und ist in ihren jungen Jahren schon frühzeitig auf sich allein gestellt. Doch sie beweist mehr als einmal Stärke, Mut und Kraft, was ihr einen Platz in meinem Herzen sicherte. Thomas konnte ich zunächst nicht richtig einordnen. Er war mir aufgrund seiner Hilfsbereitschaft und liebenswürdigen Art sehr sympathisch, doch mit dem Wiedererlangen seiner Erinnerungen, wirkte er zeitweilig sehr unterkühlt. Dennoch konnte auch er sich, im weiteren Verlauf in mein Herz schleichen.

Die zahlreichen Wendungen und Ereignisse, sowie die Erfahrungen dieser beiden Charaktere, raubten mir in manchen Szenen den Atem. Dieser komplexe historische Roman hat mich tief beeindruckt und wird noch lange Zeit im meinem Gedächtnis verweilen.

Fazit

Der Autorin Marion Johanning ist mit “Der fremde Reiter“ ein wundervoller historischer Roman gelungen. Dieser besticht durch eine fesselnde Handlung, einer hauchzarten Liebesbeziehung und überrascht mit atemraubenden Wendungen. Das Buch hat mich tief beeindruckt, mich sehr gut unterhalten und ist folglich absolut lesenswert. 


Marion Johanning | Der fremde Reiter| Tinte & Feder Verlag | erschienen am: 16.01.2018 | 496 Seiten | TB: 9,99€ | eBook: 3,49€ | Amazon* |


 

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Bewertung:

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Ich bedanke mich herzlich bei der Autorin und dem Verlag, für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares! 

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