Rezension: Der Koffer von Robin Roe

„Der Koffer“ von Robin Roe, mit seinem düsteren unscheinbaren Cover, machte mich im Vorfeld schon sehr neugierig. Doch meine Gefühle bezüglich der Handlung welche mich beim lesen überkamen, kann ich nicht einmal ansatzweise wieder geben.

»Wie viele Sterne?«, hat Julians Vater immer gefragt, wenn er ihn abends ins Bett brachte. Zehntausend-Sterne-Tage waren die besten überhaupt. Doch Julians Eltern sind tot. Seit er bei seinem Onkel wohnt, ist ihm ist nichts geblieben als Geheimnisse und ein Koffer voller Erinnerungen. Als Julian seinem Pflegebruder Adam wiederbegegnet, ist er zunächst voller Glück. Adam, der so nett ist und so tollpatschig und trotzdem zu den Coolen gehört. Doch es ist schwierig Vertrauen zu fassen. Und je mehr Vertrauen Julian fasst, desto mehr kommt Adam hinter seine Geheimnisse. Das bringt sie beide in große Gefahr. (Quelle)

Der Einstieg in das Debüt von Robin Roe fiel mir Dank des angenehmen, flüssigen und bildhaften Schreibstils sehr leicht. Bereits mit der ersten Seite, wird der Leser von einer bedrückenden Atmosphäre empfangen, die mir zunächst auf die Stimmung schlug. Unterschwellig bleibt diese drohende Atmosphäre bestehen und lässt bereits im Vorfeld schlimmeres vermuten. Die Geschichte wird aus den Perspektiven von Julian und Adam geschildert, wobei der Focus mehr auf Julian ausgerichtet ist. Die beiden Jungen kennen sich bereits, aus der Zeit als Julian als Pflegekind bei Adams Familie lebte und laufen sich nach Jahren wieder über den Weg. Ein jeder von ihnen hat seine Ecken und Kanten, doch je mehr Julian Vertrauen fasst, umso gefährlicher wird es für die beiden.

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Der 14 – jährige Julian wird nach dem Tod seiner Eltern von seinem Onkel groß gezogen. Er ist für sein Alter sehr klein, blass und dünn, wirkt nicht wie ein Teenager, sondern eher wie ein Kind. Julian ist sehr schüchtern und zurückhaltend und genießt seine Pausen am liebsten in seinem Geheimversteck einem alten Dachboden in der Schule, wo er dem Alltag entfliehen kann. Einzig die Erinnerungen, ein paar Notizbücher seiner Mutter und ein alter Koffer, sind ihm von seinen verstorbenen Eltern geblieben.

„Ich habe schon oft vor Schmerz geweint und ich habe vor Angst geweint, aber diese Tränen sind anders, tiefer. Es fühlt sich an, als würde ich entzweibrechen.“ (S.227)

Der Charakter Adam wird äußerst konträr zu Julian dargestellt. Er hat ADHS, was mir „Störenfrieden“ und Unruhe einhergeht. Dabei ist er redegewandt, aufgeschlossen und wird trotz seiner Tollpatschigkeit von seinen Mitschülern akzeptiert. Durch die entstehende Freundschaft zwischen Adam und Julian, der Integration in Adams Clique, beginnt Julian Vertrauen zu fassen und entwickelt sich zunehmend in eine positive Richtung.

>>Nein wirklich, Schatz. Ich führe dich ins Restaurant aus und hinterher… << Ich ziehe vielsagend die Augenbraue hoch, und jetzt schlägt Charlie mir tatsächlich mit der Faust auf den Oberarm. ( S. 207)

Beide Charaktere sind durchaus authentisch und realistisch gezeichnet. Ich habe beide in mein Herz geschlossen, obgleich auf verschiedenste Weise. Julian tat mir unendlich leid, am liebsten hätte ich ihn schützend in die Arme genommen, um ihm seine Ängste zu nehmen und Geborgenheit zu bieten. Adam hat mich auf humorvolle Art berührt. Seine innere Unruhe, die Tollpatschigkeit und Wortgewandtheit, brachten mich manches Mal laut zum Lachen. Die Darstellung und Kombination aus bedrückender Stille und humorvollen Momenten, ist Robin Roe besonders gut gelungen. Dieser Aspekt erzielte bei mir eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die ich nicht richtig in Worte fassen kann. Das letzte Drittel des Buches ist spannungsbeladen, schockierend, beklemmend und für den Leser kaum zu ertragen. Diese unerträglichen Wendungen und Ereignisse, machten mich fassungslos und trieben mir die Tränen in die Augen. Obgleich die Situation am Ende in meinen Augen etwas überspitz erschien, so wird diese Geschichte noch einige Zeit nachhallen und in meinen Gedanken verweilen.

Fazit

“Der Koffer” von Robin Roe ist ein emotionales, tiefgründiges und aufrüttelndes  Buch, welches durch seinen Humor sowie traumatisierenden Schicksalsschläge, das Herz des Lesers berührt. Freundschaft, Vertrauen, Liebe und Hoffnung stehen im krassen Gegensatz zu gewalttätigen Szenen, welche noch lange in meinen Gedanken  verweilen werden. Das Buch gehört schon jetzt zu meinen Highlights in diesem Jahr, daher gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung. 


Robin Roe | Der Koffer| Königskinder Verlag | erschienen am: 24.03.2017 | 416 Seiten | Gebundene Ausgabe: 19,99€ | eBook: 13,99€ | Amazon* |


 

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