Autoreninterview Cornelia Kempf

Liebe Buchfreunde!

Heut habe ich für euch ein spannendes und interessantes Interview mit Cornelia Kempf im Gepäck. Ich bin bereits in den Genuss gelangt, ihre historischen Romane lesen zu dürfen. Nun möchte ich euch die Autorin und ihren Roman „Der Löwe des Kaisers – Der Aufstieg“, etwas näher ans Herz legen.

CK

Liebe Cornelia, vielen Dank dass Du Dir die Zeit nimmst, mir in diesem Interview ein paar Fragen zu beantworten.

Magst Du uns kurz etwas über dich erzählen?
Kurz? Das wird schwierig für mich. Nun gut, wo fange ich an? Ich wurde 1970 im schönen Augsburg geboren, bin sozusagen ein schwäbischer Bayer. Das Schreiben lag mir bereits in der Schule. Meine Lehrer stöhnten bei mir regelrecht, sobald Aufsätze anstanden, denn die waren bei mir grundsätzlich zu lang. Vertieft wurde die Schreiberei durch einen Unfall, der mich für fast zwei Monate ans Bett fesselte und ich über drei Monate in einem Krankenhaus verbrachte. Da war Zeit genug zum Schreiben. Obwohl ich für fast fünf Monate ausfiel, konnte ich die Schule wie geplant beenden. Nach meinem Schulabschluss begann ich eine Lehre in der Elektromechanik – einen Männerberuf. Zu jener Zeit eine noch ungewöhnliche Berufswahl für eine Frau. Aber ich blieb dabei, und heute bin ich IT-Spezialistin und Programmiererin. Ja, noch immer eine Männerdomäne. Vielleicht liegt es mir auch deswegen, in meinen Romanen hauptsächlich über männliche Protagonisten zu schreiben. So sehr ich es auch wollte, aber das Schreiben ist bei mir nur ein Hobby, da mein Brotberuf von mir viel abverlangt. Aus diesem Grund dauert es bei mir auch meist mehrere Monate bis Jahre, bis ich einen Roman vollendet habe. Obwohl die Zeit häufig knapp ist und ich auf einiges verzichten muss, will ich die Schreiberei nicht missen. Sie ist ein guter Ausgleich zu meinem Beruf. Und was gibt es schöneres, als die Regie über eine Geschichte zu führen und die Geschicke der Charaktere darin selbst zu lenken? 

Es klingt beinahe so, als wärst Du zum schreiben geboren. Überwiegend bist du im Bereich historischer Romane vertreten. Was verbindet dich mit diesem Genre und wie bist du dazu gekommen?
Ich bin in Augsburg geboren und vermutlich liegt es an der geschichtsträchtigen Vergangenheit dieser Stadt. Sie ist in Augsburg einfach zu spüren und an vielen Stellen noch heute zu sehen. Deswegen auch meine Neigung zur römischen Antike und zum Mittelalter, denn beide Epochen prägten meine Geburtsstadt. Die Geschichte der Menschheit interessierte mich zudem schon immer. Die eine Epoche mehr, die andere weniger. Dabei fühle ich mich in der römischen Antike und im Hochmittelalter am wohlsten. Zu dem Genre selbst bin ich natürlich durch das Lesen solcher Romane gekommen, wobei ich mich mit meinen ersten eigenen Texten nur an Fantasy wagte. Das ist nicht ungewöhnlich, viele Autoren des historischen Romans begannen mit dem Schreiben im Fantasy-Bereich. Aber gerade die Recherchen zu historischen Romanen bieten unglaublich gute Vorlagen für Ideen und was kann schon spannender sein, als Geschichten, welche die Geschichte selbst schrieb?

Alle_Werke

 

Ich durfte bereits das Buch „Der Löwe des Kaisers – Der Aufstieg“ in einer Leserunde lesen, er ist ein sehr umfangreicher und komplexer Roman. Möchtest du uns verraten, wie die Idee zu dem Buch entstanden ist?
Die Idee reifte beim Lesen eines Artikels in einer Fachzeitschrift. Darin las ich erstmals über die Zusammenhänge und den Konflikt zwischen Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen. Der Artikel war zwar nur oberflächlich und riss viele Themen nur an, aber ich sah darin unglaublich viel Potential und hatte sofort Kopfkino. Mein Problem nur: Ich konnte mich nicht entscheiden, über welchen Herrscher ich schreiben wollte. So kam mir die Idee mit den Zwillingen Einhard und Gunnar von Arsberg, die je an der Seite einer dieser beiden bedeutenden Männer des Hochmittelalters stehen. Nur leider wurde dadurch der Roman sehr umfangreich. 

Wie du eben bereits erwähntest, begleiten wir in dieser Geschichte die Zwillinge Einhard und Gunnar. Die beiden Charaktere sind vom Wesen her sehr unterschiedlich. Welcher der Charaktere, hat dich beim schreiben besonders herausgefordert?
Beide Charaktere. Gerade dadurch, dass sie unterschiedlich sind, aber äußerlich sehr ähnlich, neigt man gerne dazu, sie gleich zu schreiben. Dennoch beschäftigte mich Gunnar ein klein wenig mehr. Er ist ein Charakter, der durch seine Handlungen und manchmal auch sehr egoistischen Zügen nicht immer die Sympathien der Leser auf sich zieht. Und doch schafft er es. Die größte Herausforderung war bei Gunnar, ihn zwar stellenweise rücksichtslos und gemein wirken zu lassen, ihn dann aber doch wieder so zu skizzieren, dass man ihn mag. Bei den meisten Leser(innen) ist mir das gelungen J. Aber auch Einhard hatte so seine schwierigen Charakterzüge. Ich wollte aus ihm nicht den „Helden“ machen, der durch und durch gut und edel, also ohne Fehl ist. Beide sollten Ecken und Kanten, ihre guten und schlechten Seiten haben, um sie eben nicht eindimensional, sondern menschlich wirken zu lassen. Zudem sollten ihre Charaktere natürlich auch zu ihren Dienstherren passen.

Ich mochte beide Charaktere ebenfalls sehr gern, da sie in dem Roman ist sehr glaubwürdig und überzeugend charakterisiert wurden. Doch noch beeindruckender und spannender empfand ich die geschichtlichen Aspekte sowie das vermittelte Hintergrundwissen. Wie können wir uns deine Recherche diesbezüglich vorstellen?
Vielen Dank für das Lob! Nun, die Recherchen dazu waren recht umfangreich. Da ich mich nicht für einen Herrscher entschieden habe, sondern Kaiser und Herzog beleuchten wollte, musste ich also mich intensiv mit beiden beschäftigen. Ich habe dazu Biographien über beide gelesen, historische Quellen ausfindig gemacht und diese miteinander verglichen. Interessant war, wie unterschiedlich die Auslegungen zu den jeweiligen Herrschern waren. Je nachdem, welchem Fürsten der Chronist nahe stand, wurde die andere Seite gerne übertrieben negativ dargestellt – Hier einen glaubhaften Mittelweg zu finden, war nicht immer leicht. Natürlich war auch die Recherche im Internet nicht unerheblich und dadurch kamen viele neue Aspekte, aber auch Ideen auf. Auch das Reisen an historische Schauplätze, sofern noch vorhanden, gehörte dazu. Es ist immer eindrücklich, an solchen Schauplätzen zu stehen und sich vorzustellen, wie es wohl damals gewesen war.

Laut meiner Recherche wird im Dezember 2017, der zweite Teil deines Romans „Der Löwe des Kaisers – Der Fall“ veröffentlicht. War bereits vor Veröffentlichung des ersten Romans geplant, dass es mehrere Teile geben wird?
Nein, das war es nicht. Ich begann mit den Arbeiten an „Der Löwe des Kaisers“ bereits 2006. Damals wollte ich die ganze Geschichte, also die komplette Zeitspanne von fast fünfunddreißig Jahren in nur einem Manuskript verfassen. Nur erkannte ich recht schnell, dass ich dann von der Idee, die Geschichte aus der Sicht der Zwilling zu erzählen und dadurch auf beide Herrscher bezogen, abrücken musste. Oder ich hätte so viel von den geschichtlichen Fakten weglassen müssen, was die geschichtlichen Ereignisse zu sehr auseinander gerissen hätte. Ein dritter Weg wäre noch gewesen, die Nebengeschichten um Einhard und Gunnar wegzulassen, aber dadurch wären die Zwillinge farblos geblieben. Also entschied ich mich, aus dem Roman zwei Teile zu machen und es entstanden die Untertitel „Der Aufstieg“ und „Der Fall“. Der erste Band erzählt die Ereignisse um den Aufstieg von Heinrich dem Löwen und der zweite Teil um dessen Sturz. Ich denke, dem Leser ist es ganz recht, dass er länger in dieser sehr interessanten, spannenden und abwechslungsreichen Zeit verweilen kann.

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TB: 24,50 €

Seiten: 600

KaMeRu Verlag

ISBN: 978-3906739472

Klappentext: Deutsches Königsreich, 1152
Auf der Burg Wallberg in Bayern werden die Zwillinge Einhard und Gunnar von Arsberg zu angehenden Rittern des Reiches erzogen. Äusserlich mögen sich die beiden gleichen, doch während Einhard, von Vernunft getrieben, alles ernst nimmt, lebt sein Bruder Gunnar zügellos und erobert die Herzen der Frauen im Sturm. Die recht sorglose Zeit auf Wallberg geht jedoch eines Tages für beide Brüder zu Ende, die Geschicke nehmen ihren Lauf und Einhard und Gunnar müssen sich jeder seinem eigenen Schicksal stellen, als sich ihre Wege trennen.

Was genau benötigst du, um deine Ideen und Gedanken zu entfalten?
Einen ausgedehnten Spaziergang, oder einen langen Ausritt auf meinem Pferd. Oft habe ich eine Szene im Kopf, die nicht ganz ausgereift ist, aber reite ich aus, oder unternehme einen Spaziergang, nehmen meine Gedanken Fahrt auf und ich vergesse fast alles um mich herum. Dabei sehe ich die Szene regelrecht vor meinem inneren Auge und spiele alle möglichen Konstellationen durch. Es klingt seltsam, aber manchmal spiele ich dabei Gesten, die mir in den Sinn kommen, wirklich nach. Häufig jedoch ist es auch beim Schreiben so, dass die Geschichte ein Eigenleben entwickelt. Gerade bei Dialogen, insbesondere bei Streitgesprächen, ist es für mich so als würden die beiden Akteure vor mir stehen und ich schreibe es einfach auf.

Gibt es momentan ein neues Projekt an dem du arbeitest?
Ja, sogar drei. 
Zwei historische Romane und einen Fantasy-Roman.
Der erste historische Roman bringt mich in die Zeit des Kaisers Trajan zurück und ist eine Fortsetzung zu „Morituri“.
Das zweite Manuskript ist als Fortsetzung zu „Der Löwe des Kaisers“ angedacht. Aber dieses Werk kann unabhängig zu den beiden anderen Teilen gelesen werden.
Und dann tippe ich noch ein altes, nie angebotenes Fantasy-Manuskript ab, überarbeite es und schreibe manche Stellen komplett neu.

Das klingt echt toll und macht mich schon jetzt sehr neugierig!


 

Ich kann nicht leben … ohne Kaffee.

Eine große Herausforderung ist … sich immer wieder neu zu finden.

Mein Lieblingstier ist … der Hund.

Zum Schreiben benötige ich … Ruhe.

Mein Wunsch für die Zukunft ist … mehr Zeit zum Schreiben zu haben.

Weitere Information zur Autorin findet ihr auf folgenden Seiten:

Facebook

Webseite Cornelia Kempf

Ich danke dir von Herzen, für deine Zeit und die Mühe zur Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche dir zukünftig weiterhin viel Erfolg!

 

2 Kommentare zu „Autoreninterview Cornelia Kempf

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